Promotext New Release UTR 4275, Februrar 2011
Simon Spiess Trio: Miss D.B.
Obwohl erst 23-jährig, verfügt der Oltner Saxofon Saxofonist Simon Spiess über Anlagen, um die ihn manch anderer Jazzer beneiden würde. Seine Originalität, Individualität, Offenheit und Ehrlichkeit sind fast schon einzigartig. Mit „Miss D.B.“, seinem neuen Album, verlangt Spiess den Zuhörer bewusst einiges ab – um ihnen dann eine echte Entdeckung zu ermöglichen und sie mit der nackten Schönheit von Musik zu beschenken.
Ein neues Album ist – zugegebenermassen mit einigem an Fantasie – vergleichbar mit der Geburt eines Kindes. Gross ist die Vorfreude, lange wurde darauf gewartet, anstrengend bis schmerzvoll ist die Geburt (Studio, Produktion) an sich und dann ist es – das Kind oder eben das Album – plötzlich da. Freude herrscht, Geburtsanzeigen werden gedruckt, Promotexte geschrieben, die Taufe findet statt. Alle sehen: das Kind lebt, ist gesund, hat Arme und Beine, kann sehen und hören. Seine Anlagen sind im Lot. Doch was aus ihm werden wird, in zehn oder dreissig Jahren weiss noch niemand. Die einen bringen es zu etwas, dank Erziehung, sozialem Umfeld, Förderung etc. Die anderen… Mit neuen Alben verhält es sich gar nicht so anders – nur dass das Schicksal und Charakteristikum der Mehrheit von vielen aktuellen Produktionen in ihrer Kurzlebigkeit und baldigen Vergessenheit besteht. Fast wie ein Selbstmord im Jugendalter (mit dem Unterschied, dass es keine öffentliche Bestürzung gibt).
Wozu dieser Vergleich, diese lange Einleitung? Simon Spiess, dem jungen Oltner Saxofonisten ist mit seinem neusten, dritten Album „Miss D.B.“ etwas gelungen, was zurecht eher als Ausnahme in der Schweizer Jazzlandschaft gesehen werden darf. „Miss D.B.“ ist keine Eintagsfliege, sondern weist eine Substanz auf, die Vergleichbares suchen lässt.
Da ist die subjektive Erfahrung, dass man den neuen Silberling nach den ersten Takten beinahe am liebsten wieder aus dem Player nehmen würde. Weil nicht easy-listening und vordergründig sofort bekömmlich. Es verhält sich ein bisschen wie der Umgang mit schwierigen, unangepassten Kindern. Werden sie nicht einfach verurteilt oder bestraft sondern toleriert und gefördert, sind es nicht selten sie, die später Grosses (er)schaffen. Genauso die eigenwillige Musik auf „Miss D.B.“. Sie will bewusst gehört werden und ist nicht einfach ein netter Soundtrack zum Kochen oder Chillen. Spiess meint dazu: „Eines der Hauptaugenmerke ist für mich, mit meiner Musik eine Story zu erzählen – ohne Worte. Das möchte ich meinen Zuhörern bieten. Sie sollen aufmerksam zuhören. Ich möchte sie auch ein wenig provozieren. Deswegen habe ich mich für ein Trio ohne Harmonieinstrument entschieden. Als Gegenleistung schenken wir den Zuhörern unsere Harmonie als Trio. Ich versuche mit meiner Musik einem breiten Publikum zu zeigen, wie wundervoll diese Musik, der Jazz – dieses Geschenk! –, ist.“
Damit hat Spiess selber schon sehr viel über sein aktuelles Musikschaffen gesagt. Er sei der intuitive Typ, wenn es um Kunst gehe und alles andere als ein konzeptioneller Musiker. Letzterem ist natürlich nur bedingt zuzustimmen, denn „Miss D.B.“ basiert sehr wohl auf einem Konzept. Die Besetzung ohne Harmonieinstrument zwingt einem zum genauen Hinhören – Nebenbeschäftigungen sind unmöglich – nicht zuletzt weil Marco Nenniger seine Rolle als Bassist durchaus emanzipiert und gleichberechtigt versteht. Will heissen, dass er nicht einfach schön brav Basslines aus Grundtönen zupft, sondern gerne auch Melodiefragmente, Soli oder Töne aus dem „Akkord-Überbau“ übernimmt. Hat man die doch sehr vielseitige und vielgestaltige Musik als Zuhörer einmal auf einer Makroebene erfasst, eröffnet sich einem ein neuer Kosmos aus filigranen Nuancen, klanglich ebenso wie rhythmisch und melodisch. Diese Erfahrung, welche das Simon Spiess Trio so bietet und die dadurch ermöglichte Entdeckung ist tatsächlich ein Geschenk an den Zuhörer. Für einmal ist der Slogan „Reduce to the max“ mehr als eine hübsche Worthülse. Gerade weil kein Piano oder keine Gitarre mitmischeln, steht Spiess’ Saxofon mit seinen mannigfaltigen Klangfarben viel stärker im Vordergrund. Das ist mutig – und bei derart jungen Saxofonisten eher selten der Fall. Der Bläser steht quasi „nackt“ da und kann sich nirgends verstecken.
Für zusätzliche Farbtupfer sorgen die beiden Gäste, Domenic Landolf (Tenorsaxofon) und Malcolm Braff (Fender Rhodes).
Der Titeltrack Miss D.B. startet mit einem rockigen, binären Beat, während das Saxofon vier Töne einer absteigenden Tonleiter bläst, die später moduliert werden. Diese minimalistischen Strukturen werden in der Wiederholung leicht ergänzt und variiert, bis nach 24 Sekunden ein durchdringender Kick für Erlösung sorgt und den nahenden Wechsel des Metrums antönt. So dicht ist diese Musik gewoben. In Spiess’ folgendem Solo geht dann die Post richtig ab und der binäre Beat auf der offenen Hi-Hat erinnert an die glorreichen 1970er Jahre, an Tony Williams oder Lenny White.
Wunderschön setzt Drummer Daniel Mudrack den Titel des zweiten Tracks Der Regen der auf das Vordach tropft um. Man meint diesen Regen tatsächlich tropfen zu hören. In diesem Song erinnert sich Spiess an Eindrücke aus Afrika. Interessant ist, wie er die Melodie raffiniert für zwei Saxofone geschrieben und gesetzt hat. Domenic Landolf ist Spiess’ Lehrer an der Musikhochschule Basel. Beide haben einen beeindruckenden Sound, während Mudracks Begleitung der Soli wirklich an afrikanische Perkussion erinnert.
Auch in Mudracks Komposition Tosca wirkt Landolf nochmals mit. Das sehr luftig geblasene Thema lebt von der intervallischen Spannung zwischen den beiden Hörnern, die von entschiedenem Besenspiel getragen wird.
In Spiess’ Die Henker wird einem das Fürchten gelehrt. Spiess bläst hier die Bassklarinette. Welche ein herrliches Instrument, Gänsehaut hervorrufend und Knochenmark durchdringend. Mudracks Wirbel erinnern an eine frühneuzeitliche Hinrichtungszeremonie. Da werden wirklich Stories erzählt!
Dave Hollands Four Winds ist eine bopige Nummer in der Marco Nenninger zeigt, mit welcher Leichtigkeit, er die physische Dimension seines sperrigen Instruments beherrscht. Nicht zum ersten Mal beeindruckt Mudrack mit einer Beckenarbeit, die ihresgleichen suchen kann.
Mit Es war einmal folgt nochmals eine Komposition von Mudrack. Ihre modale Anlage lässt viel Raum für Spiess’ ausgedehntes Solo.
Aufgepasst nun wird’s echt funky: Malcolm to the World of Spaiz ist eine Mudrack-Komposition mit Hitpotenzial. Sie wäre im positiven Sinne geeignet als Handyklingelton oder Radiowecker-Soundtrack. Der schnelle Beat rüttelt jeden wach und Braffs lyrisch-ausgedehntes Solo auf dem Fender Rhodes, diesem herrlichen Instrument aus den 1970er Jahren, sorgt in der Tat für einen spacigen Trip. Das Interplay der vier Beteiligten ist beeindruckend – ebenso Spiess’ Fähigkeit auch mit nur ganz wenigen Tönen zu solieren und sich dann so zu steigern, dass man sich schliesslich fast an freejazzige Erruptionen erinnert fühlt. Die rhythmischen Spielereien (Metrumverschiebungen, Kicks, Stopps) am Ende dieses neunminütigen Songs sind eine Klasse für sich.
Sun over Lily hat Spiess für die Tochter seiner Freundin geschrieben. Das eingängige und einprägsame Thema macht Spass. Die drei Musiker sind wirklich stark, auch im binären Bereich. Die Klangdichte überrascht und bei diesen letzten beiden Tracks merkt man vordergründig gar nichts vom fehlenden Harmonieinstrument. Wenn das kein Kompliment ist…
Insgesamt entpuppt sich „Miss D.B.“ als eine originelle, durchdachte, ausgereifte und ausdrucksstarke CD. Auch eine sehr geschmackvoll gestaltete. Und noch etwas zeichnet diese CD aus: sie ist ein ehrliches Werk. Spiess sagt: „Jeder von uns übt jeden Tag Stunden um an Technik zu gewinnen und um ein breiteres musikalisches Spektrum zu erlangen – doch sobald wir zusammenkommen gibt es nur noch eines: Spielen!“ Genau so sind die drei jungen Musiker ins Studio gegangen: wohl wissend, was sie spielen wollen, aber dann ganz den Moment lebend und das Entstehende zulassend. „Miss D.B.” ist eigentlich eine Art Live-Album: es gibt weder Schnitte noch Nachbesserungen. Spiess meint: „Das Album soll real sein, auch wenn es Fehler hat. Das gab es früher auch bei den Cats. Solange es musikalisch ist, sind ‚Fehler’ nebensächlich.“ Deswegen das Attribut ein „ehrliches Album“. Und ein sympathisches, möchte man hinzufügen.
Zu den Musikern:
Simon Spiess – Tenorsaxofon, Bassklarinette
Marco Nenninger – Bass
Daniel Mudrack – Drums & Cymbals
Gäste:
Domenic Landolf – Tenorsaxofon
Malcolm Braff – Fender Rhodes
Simon Spiess wurde am 11. August 1987 geboren und wuchs in Aarburg bei Olten auf. Sein musikalisches Schlüsselerlebnis hatte er mit 14, als er eine CD der Clients Funk Society hörte. Von da an wusste er, dass er Musiker werden wollte. Zu seinen Lehrern und Fördern gehören Roland Philipp und Fritz Renold. Er studiert an der Hochschule für Musik Basel, Abteilung Jazz bei Domenic Landolf. Dazu studierte er bei Nat Su und nahm Privatunterricht bei Mark Turner, Gerg Tardy, Donny McCaslin und Miguel Zenon in New York. Das Simon Spiess Trio wurde 2008 gegründet. „Miss D.B.” ist sein drittes eigenes Album.
Marco Nenninger studierte an der Musikhochschule Basel bei Bänz Oester Bass. Er lebt in Basel und spielt dort in verschiedensten Formationen (Klangquadrat, Judy Birdland, Bluesmax, u.v.m) von Jazz bis Rock.
Daniel Mudrack studierte von 2004-2008 an der Hochschule für Musik Basel, Abteilung Jazz bei Julio Barreto, Adrian Mears und Jorge Rossi. Das Mitwirken in vielen Projekten und Bands (beispielsweise sein Trio Daniel Mudrack H3), liessen ihn zu einem sehr vielseitigen Drummer reifen, der im Jazz zu Hause ist, aber auch Projekt in den Bereichen Klassik, Neue Musik oder Hip Hop nicht scheut.
www.simonspiess.com
17. Februar 2011, Silvano Luca Gerosa (Jazz’n’more), Tiefenhäusern, Deutschland.
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Sali. Mir sind e Konstellation vo 5 Rappers us de Umgebig St.Gallen. Üsi Stärchi lieht i de verschiedene Arte vo Rap : Vo Real-Rap über Gschichte, Ironie-Tracks, Party, bis hi zu Hardcore- und Horrorcore-Raps. Für jede was debii. Mir schaffet zudem viel mit üsne eige produzierte Beats. Natürlich simmer au offe füt Featurings. Will e Mischig us de verschiedene Dialekts, chönt spannend werde. Wers woge möcht, söll sich ruhig melde. Für wiitere Infos bsuechet www.studiosechs.ch oder mailet üs via Facebook. Loset dri, denn es lohnt sich. Peace out Studio 6 Crew
Wé BIEN LES SONS!VIENS TCHEK LIP NOUVEAUX SONS EN ECOUTE SUR http://www.mx3.ch/artist/lip !
BIG UP
---> Dank de Haterz! <---
---> .....New Song..... <---
bitte s feed, git o eis zrüg...
pce angj
Hey Simon , sorry dasi so reagiert ha..
blib a dinere sach , es chonnt Super !!!
lg Marco
Hello,
j'aime bien votre musique,elle sonne très Jazzy, bon courage pour la suite :)
Venez faire un tour sur notre page :)
Amicalement,
LOOMING
Koole Sound Simon
Witer so..
Lg Marco Bösch