WAKE: « TREMOR »
Man kann «Tremor» einfach anhören und geniessen. Das sei hiermit ausdrücklich empfohlen. Will man das Album verstehen, muss man seine Geschichten kennen. Die von Verrat und die von der Freundschaft.
Liess es sich gut an? Und wie! Mit dem Plattenvertrag in der Tasche flog man nach Los Angeles und liess sich im Studio von Warren Croyle zu Höchstleistungen treiben: «You Are Safe» hiess das enthusiastische Debut und brachte Wake 2004 einen grossen Schritt weiter. Das wirkte ansteckend selbst auf die nüchterne NZZ: «Man musste sich ... in der Roten Fabrik die Ohren reiben, um es glauben zu können: Im Rahmen der «Rockwoche» spielte ... eine Zuger Band mit einer Klasse, die man im Hallenstadion bei stilistisch vergleichbaren Stars des amerikanischen Alternative Rock wie Pearl Jam schon vermisst hatte. Die fünf Musiker von Wake glänzten mit einer gelassenen Ausdruckssicherheit, die man sonst nur bei langjährigen Profis findet, und liessen doch die Dringlichkeit einer jungen, hungrigen Band nicht missen.» Zufall? Die Zahl der verkauften Alben/neuen Fans/gegebenen Konzerte spricht eine deutliche Sprache.
Weshalb sollte man also ahnen, dass man in eine Geisterbahn gerauscht war: Die grossen Versprechungen Seiten des Labels kippten je länger je mehr in klassische Hinhaltescharmützel und mündeten in einer irrationalen Totalblockade. Missbrauchtes Vertrauen? Aber sicher. Was erlauben Label? You bet.
Doch die Hauptgeschichte dieser Band ist die gleichberechtigte Freundschaft von fünf ausgeprägten Charakteren. Das ist manchmal zäh und jeder träumte schon vom simplen Machtwort. Erst Recht, wenn man vertraglich an eine Firma gebunden ist, die jede Aktivität erstickt. Und man plötzlich merkt, dass der Mixdown von Croyle auf Dauer schwächelt. Da klopft die Krise automatisch auch privat an die Tür, weil die Trennlinie verläuft nicht scharf. Und also muss man durch, wenn sich die grossen Fragen aufdrängen: Warum machen wir das alles? Wollen wir überhaupt?
YES. Und mehr als das! Wer sind wir eigentlich, dass wir uns das gefallen lassen? Seit 1995 stecken wir unsere Seele in unsere Songs, ohne Netz, ohne doppelten Boden. Wir wissen, was uns das wert ist und wir haben zusammen Spass. Punkt.
Kaum zusammengerauft, gelingt endlich die Befreiung aus dem Vertrag. Die Erlösung ploppt wie ein Champagnerkorken und spritzt Wake neue Songs um die Ohren. Die Wut im Bauch hat ein Ventil gesucht und Musik gefunden. Auch so eine alte Rock’n’Roll-Geschichte: Exorzismus als Motor. Gleichzeitig nagelt Sänger Thomas Büchi in den Texten seine persönlichen Dämonen an die Wand.
Der grosse «Tremor» hat Wake erfasst. Zitternd vor Lebensgier ensteht eine Platte, die durch ihre Wucht besticht, ihre schonungslose Ehrlichkeit. Die Songs sind gestrafft, elastisch, auf den Punkt gespielt. Und vor allem prägt «Tremor» die Wärme, die den Sound von Wake auszeichnet und im gegenseitigen Vertrauen wurzelt. Vom ursprünglichen Grunge hat’s noch Färbungen, doch längst hat sich die Musik zur modernen Version klassischen Rock’n’Rolls entwickelt, arbeitet souverän auf der Palette vom melancholisch-folkigen Picking bis zum eingefetteten Powerchord. Die Vielfalt der Musiker verpasst jedem Song ein massgeschneidertes Gepräge, mit variierenden Rhythmen, dem Sog gegenläufiger Gitarren, drängendem Bass und einer Stimme, die mal kraftvollen brüllt, mal zärtlich soult.
Diese selbstbewusste Detailarbeit ist Resultat der ausgestandenen Krämpfe. Kümmert man sich nicht selbst um jedes Fitzelchen, verbockt es ein anderer, dankeschön. Also holte man sich mit Vorproduzent Count Vlad und Produzent Deezl Imhof Freunde an Bord, denen man vertraut in der Unbestechlichkeit des Urteils und im Respekt vor dem Willen der Band. Man weiss zu genau, was man will.
Noch eine Geschichte, die vom wiedergefundenen Selbstvertrauen nämlich. Vom Stinkefinger am Anfang, für den man heute fast schon dankbar ist, hört man den Songs kaum etwas an. «Tremor» ist geerdet, verkehrt persönliche Abgründe in eine kraftvolle Lebenslust und umarmt die Welt. Fünf Musiker spiegeln sich mit ihren Geschichten und Eigenheiten und bilden trotzdem eine Einheit. «Tremor» wurde live im Studio eingespielt und schwitzt und swingt und zittert wie nach einer Überdosis Sauerstoff. Ein neuer Deal mit Phonag, ein neues Glück, jetzt will man es erst Recht wissen. Das Leben ist schön und was uns nicht umbringt, macht uns Wake.
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Noch heute stolzu darauf, dass WAKE am Openair Krach am Bach so geil gerockt haben....War echt abartig gut! Gruss vom See
Hey Guys from wake! Han eu live in Tägerwile am KrachamBach gseh. ihr hend echt ä hammergeili show abglieferet. endlich mol wieder ä schwiizer band mit geilem grunge/alternativ-rock! Respect & wiiter so... rockige grüsse
Genialer Sound.
Diese Band geht mir unter die Haut. Hört euch diese Platte an und lasst sie rein! Ihr bekommt alles...!
Gäbe es an dieser Stelle eine Platte des Monats, "TREMOR" hätte dies unangefochten verdient.
Wow! Ich bin gerade hin und weg. Eben zum ersten Male gehört und nun soeben bestellt.... wusste gar nicht dass es in der CH noch Bands gibt die so abrocken.
schöne töne! weiter so!
Hey Wakerz,
Steckt ab sofort in unserer Playlist;-)
Greez Etienne